Maßnahmenkarte Deutschlandtakt

Kleines bewirkt Großes – Wie kleine Maßnahmen die Schiene fit für den Deutschlandtakt machen

Es sind nicht nur große Neubauprojekte, die auf dem Weg zum Deutschlandtakt – einem integralen Taktfahrplan – umgesetzt werden müssen. Viele kleinere Maßnahmen können schneller angegangen werden und trotzdem eine spürbare Verbesserung bei Kapazitäten und Pünktlichkeit bringen. Der VCD hat auf einer Maßnahmenkarte Beispiele für solche kleineren Projekte zusammengetragen. Jetzt ist die Politik am Zug, die Maßnahmen zu bewilligen und das nötige Geld freizugeben.

Der Deutschlandtakt ist das größte Infrastrukturprojekt der Bahn in diesem Jahrzehnt – Ziel ist ein sogenannter integraler Taktfahrplan, der deutschlandweit mehr Fahrten ermöglichen, Reisezeiten verkürzen und Umsteigezeiten beschleunigen soll. Um dies zu bewerkstelligen, plant die Deutsche Bahn derzeit mit großem Elan Neubaustrecken. Diese Planung wird vom VCD begleitet und unterstützt; allerdings wird es viele Jahre – wenn nicht Jahrzehnte – benötigen, bis der Nutzen dieser Strecken für die Reisenden im wahrsten Sinne „erfahrbar“ wird.

Neben den großen Neubaustrecken sind aber viele kleinere Maßnahmen nötig, um jetzt das bestehende Netz zu stabilisieren und künftig den Deutschlandtakt zu ermöglichen – und dazu hat der VCD Vorschläge erarbeitet. Sie könnten viel schneller geplant und umgesetzt werden als die Neubaustrecken, und sie würden sofort Wirkung entfalten: Züge könnten pünktlicher fahren und deutlich mehr Passagiere sowie Güter an ihr Ziel bringen. Verglichen mit den milliardenteuren Neubaustrecken sind diese kleineren Maßnahmen wesentlich günstiger zu haben – auch wenn sie zwischen einigen Hunderttausend bis mehrere Millionen Euro kosten werden.

In vier Kategorien haben wir die Maßnahmen eingeteilt, die aus VCD-Sicht für den erfolgreichen Weg zum Deutschlandtakt erforderlich sind. Für die verschiedenen Kategorien werden auf der Maßnahmenkarte besonders wichtige Beispiele aus zahlreichen Bundesländern benannt. Sie stehen stellvertretend für viele weitere umsetzbare Maßnahmen. 

1. Schneller ankommen

Im Schienennetz gibt es zahlreiche Geschwindigkeitsbeschränkungen, die relativ leicht zu beheben sind – vor allem bei der Einfahrt in den Bahnhof und an Bahnübergängen. Bei der Langsamfahrt, die dort bislang nötig ist, geht besonders viel Zeit verloren – während zum Beispiel eine Beschleunigung von 200 auf 250 km/h kaum Zeitgewinne bringt.

Der VCD fordert deshalb den Bau schnell zu befahrender Weichen und schnellere Bahnhofsein- und -ausfahrten. An Kreuzungsbahnhöfen muss die gleichzeitige Einfahrt mehrerer Züge ermöglicht werden und unübersichtliche Bahnübergänge müssen umgebaut werden.

2. Kapazität steigern

Viele Strecken lassen nur wenige Zugfahrten zu. Das Bahnnetz ist überlastet. Züge können nur mit großem Abstand hintereinander herfahren, müssen an Baustellen oder auf eingleisigen Strecken lange auf den Gegenzug warten oder können dort nicht ausweichen.

Um die Zugfolgezeiten zu verkürzen, müssen zusätzliche Signale aufgestellt, Überleitstellen eingerichtet und eingleisige Strecken in kurzen Abschnitten zweigleisig ausgebaut oder mit Überholgleisen ausgestattet werden, so dass Züge aneinander vorbeifahren oder sich überholen können. Auch braucht es zusätzliche Brücken, sogenannte Überwerfungsbauwerke, damit sich in einem Bahnhof kreuzende Strecken übereinander führen lassen können ohne sich in die Quere zu kommen.

3. Alternativrouten schaffen

Im Falle von Streckensperrungen ist es wichtig, Alternativrouten zu haben. Viele solcher Routen ließen sich relativ einfach realisieren, beispielsweise durch Verbindungskurven zwischen nah zueinander verlaufenden Bahnstrecken. Zudem sollen Elektrifizierungslücken im Netz geschlossen werden. Häufig kann der Zug so eine direktere Strecke fahren oder Umleitungen nutzen. Das zeitintensive Wenden in Bahnhöfen entfällt damit in vielen Fällen, Verbindungen werden kürzer und das Bahnsystem zuverlässiger.

4. Güterverkehr verbessern

Das Bahnnetz ist schon vom Personenverkehr überlastet, auf vielen Hauptstrecken hält die Infrastruktur dem zunehmenden Verkehr nicht mehr Stand. Sowohl für eine Ausweitung des Personen- als auch des Güterverkehrs fehlen Überholgleise und Begegnungsabschnitte, Oberleitungen sowie Lückenschlüsse im Netz. Viele Alternativen zu den großen Passagierrouten können Güterzüge daher nicht nutzen. Besonders bei Bauarbeiten fahren zuerst die Personenzüge, Güterzüge kommen weder durch, noch können sie umgeleitet werden.

Ändern ließe sich das, indem man stillgelegte Verbindungsstrecken reaktiviert. Verbindungskurven und andere kurze Strecken müssen elektrifiziert werden. Zusammen mit den oben genannten Maßnahmen würde davon nicht nur der Güterverkehr selbst profitieren, sondern auch der Personenverkehr, der dadurch mehr Platz zur Verfügung hätte.

Nun ist die Politik am Zug

Bundesländer und Bahnunternehmen müssen wichtige Maßnahmen schnellstmöglich beim Verkehrsministerium anmelden. Das muss die Projekte zügig bewerten und das nötige Geld freigeben. Dafür müssen ausreichende Mittel bereitstehen: Der VCD fordert drei Milliarden Euro für den Schienenausbau im kommenden Jahr; in den Folgejahren muss diese Summe nach Bedarf erhöht werden. Nur so erreichen wir das Ziel des Deutschlandtaktes: Den Schienenverkehr verlässlicher, schneller und attraktiver machen.

Maßnahmenkarte zum Deutschlandtakt

 

 

Bastian Kettner

Sprecher für Bahn, ÖPNV und Multimodalität
Fon 030/28 03 51-36
bastian.kettner@vcd.org

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